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Gegen den Strom

VON ARMIN DAHL

Die Vorbereitungen liefen schon seit Monaten: Einen Fischer suchen, Genehmigung für den Elektrofang einholen, Fangstrecken festlegen, Termine kordinieren, Altdaten sichten, viele Telefonate, Mails und Gerenne. Und dann klappte alles doch ganz prima: Zwei Tage vor dem eigentlichen GEO-Tag trafen wir uns am Nachmittag an der Finanzsschule in Hilden, zum Fischfang.

Fische im Hildener Stadtwald? Meine Erwartungen waren gering, war doch im Rekordsommer 2003 das komplette Bachsystem von Sandbach, Krebsbach und Hoxbach ausgetrocknet, und das über mehrere Monate hinweg. Und von den Unterläufen konnte eigentlich nichts nachkommen, verschwinden doch alle genannten Bäche östlich von Hilden in dicken Rohren, und kommen erst weit unterhalb wieder ans Tageslicht.

Immerhin waren da aber noch die beiden Teiche an der Waldschenke und der Landesfinanzschule, da waren mit Sicherheit Fische drin.

Tobias Krause beim Elektrofischen im Sandbach. Foto: A. Dahl

Mit langen Gummistiefeln bewaffnet, auf dem Rücken eine Batterie mit dem Elektrofischgerät, stapfte Tobias Krause vom Umweltamt der Stadt Düsseldorf wenig später in den Krebsbach. Einmal den Kescher ins Wasser getaucht, Strom eingeschaltet, und dann tönte es: "Stichling bis 10 Zentimeter"..."Stichling bis 5"..."Schmerle bis 10", Manfred Henf als Protokollant kam kaum noch mit dem Schreiben nach.

Zwei Stunden später trennten sich unsere Wege wieder, die Fisch-Liste war ziemlich lang, die Mannschaft mit dem Ergebnis zufrieden. Im Unterlauf der Heidebäche finden sich trotz der völligen Austrocknung 2003 erstaunlich gute Kleinfischbestände, Moderlieschen, Stichlinge und Schmerlen, in der Teichen reichlich ausgesetzte Fischarten, darunter auch der Blaubandbärbling, eigentlich ein Aquarienfisch.

Aber es gab natürlich nicht nur Fische im Gewässer: Amerikanische Signalkrebse (Pacifastacus) finden sich überall, diese Art hat den einheimischen Edelkrebs schon vor Jahrzenten verdrängt. Und ganz nebenbei hatten wir noch eine gute Handvoll Libellenarten gesehen, darunter die Falkenlibelle Cordulia aenea, die bisher im Untersuchungsgebiet nicht nachgewiesen war.

Der abiotische Zustand der Bäche ist allerdings eher schlecht: Sohlabstürze, Verrohrungen, im Bachlauf liegende Teiche und Hochwasser-Rückhaltebecken verhindern das Einwandern der Kleinfische in die Oberläufe von Sandbach und Krebsbach.

Bachsystem

Das Untersuchungsgebiet im Hildener Stadtwald

Ergebnisse: Fische + Großkrebse

Bearbeiter:
Tobias Krause Stadtverwaltung Düsseldorf - Umweltamt - Untere Wasserbehörde, Manfred Henf, Dirk Alfermann.

Befischte Strecken am 8.6.06
Sandbach, Krebsbach, Hochwasserrückhaltebecken, Waldschenkenteich, Teich der Verwaltungsschule (siehe Karte)

Zur Methode Elektrofischen ist eine feine Sache: die Fischmuskulatur ist aus Segmenten aufgebaut, legt man einen Strom an, werden die Muskeln so angespannt, dass der Fisch automatisch zur Stromquelle schwimmen muss. Dabei werden die Tiere nur betäubt und erholen sich nach der Bestimmung und Vermessung rasch wieder. Große Fische werden leichter betäubt als kleine, auch Krebse und Neunaugen kann man so fangen.

Artenliste
Deutscher Name Lateinischer Name
Blaubandbärbling Pseudorasbora parva
Döbel Squalius cephalus
Dreistacheliger Stichling   Gasterosteus aculeatus
Flußbarsch Perca fluviatilis
Goldkarausche Carassius auratus
Hecht Esox lucius
Karpfen Cyprinus carpio
Moderlieschen Leucaspius delineatus
Rotauge Rutilus rutilus
Schmerle Barbatula barbatula
 
Signalkrebs Pacifastacus leniusculus

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