
Naturschutz als Kunstwerk: der erste Haaner Hirschkäfermeiler entstand im Garten der Privaten Kindergruppe Haan e. V. an der Bachstraße 64.
"Passt bloß auf, daß keiner sich die Finger quetscht". Carsten Nummert schwitzt, auch die 15 Schüler des Neandergymnasiums Erkrath müssen an diesem Tag richtig schuften. Seit Wochen arbeiten sie im Kunstunterricht mit Hammer und Stechbeitel an einigen dicken Baumstämmen, die - verwandelt in Skulpturen - das Zentrum einer Hirschkäferpyramide bilden sollen. Und heute ist der Große Tag, die Pyramide wird am GEO-Tag der Artenvielfalt aufgestellt, im Garten der Privaten Kindergruppe Haan e.V. an der Bachstraße.
Eine große Grube wurde ausgehoben, hinein kamen die Skulpturen, rundherum dicke Stammstücke von Laubholzbäumen, das ganze wurde mit Eichenhäcksel und Erde wieder angefüllt. Angelockt vom leckeren Duft der Stämme und des Häckselgutes sollen hier im Laufe des Sommers die Hirschkäfer-Weibchen aus dem nahen Stadtwald ihre Eier ablegen.
Auf der Bergischen Heideterrasse in der Nähe von Düsseldorf lebt der Hirschkäfer in einigen versprengten Populationen, umgeben von Großstädten wie Solingen und Wuppertal,
Seit vielen Jahrhunderten fasziniert der Fliegende Hirsch die Menschen, ist Gegenstand der Literatur, Plastik und Malerei. Bereits bei den Germanen waren die Hirschkäfer dem Gott Donar geweiht, weil sie angeblich Blitze anlocken konnten. In einigen Gegenden Deutschlands heißt der Hirschkäfer (Lat. Lucanus cervus) noch heute Donnerguege (gueg, guegi = Käfer).
Hirschkäfer sind kräftige, aber vollkommen harmlose Gesellen. Die feisten, bis 11 cm großen Larven leben unterirdisch, fressen verpilztes Holz und verwandeln alte, morsche Baumstümpfe in feinsten Mulm. Sie bevorzugen Eichen, können sie sich aber auch in anderen Laubhölzern entwickeln. Fünf bis acht Jahre dauert es, bis die Larven groß genug geworden sind, um sich zu verpuppen. Die ausgewachsenen Larven bauen sich eine faustgroße Kammer unter der Erde, die Puppenwiege. Darin verwandelt sich die häßliche Larve im Herbst zum Hirschkäfer.
Im Sommer des folgenden Jahres graben sich die Tiere an die Oberfläche, die Männchen erscheinen ein paar Tage vor den Weibchen. An schwülwarmen Sommertagen kann man die Hirschkäfer schwärmen sehen, in der Dämmerung fliegen die Tiere an Waldrändern und Schneisen entlang. Ein fliegender Hischkäfer-Mann ist ein beeindruckendes Schauspiel, bis zu acht Zentimeter groß, saust er mit hochgeklappten Flügeldecken und kräftigem Brummen am Waldrand entlang, auf der Suche nach Saftstellen an Bäumen oder paarungswilligen Weibchen.
Kurzes Vergnügen
Die Paarungszeit geht schon Mitte Juli zu Ende, Erwachsene Tiere ernähren sich ausschließlich von Baumsäften und Früchten. Wirklich schmerzhaft kneifen können die männlichen Hirschkäfer nicht, zu ungünstig ist der Hebel des "Geweihs". Vor den kurzen Kieferzangen der Weibchen sollte man sich dagegen in Acht nehmen.
Hirschkäfer stehen unter Naturschutz größere Vorkommen gibt es aktuell noch waldreichen Gebieten wie dem Spessart und den Auewälder entlang von Rhein und Elbe. Im Kreis Mettmann und der Region Düsseldorf haben AGNU und Biostation in den letzten Jahren etliche Hirschkäfer-Meldungen gesammelt, vor allem aus dem Ittertal und Düsseldorf-Gerresheim.
Hirschkäferschutz ist meist Sache des Försters: Wichtig dabei ist vor allem, dass die sogenannten "Blitzeichen", vom Blitz getroffene, über Jahrzehnte langsam absterbende Bäume, nicht gerodet werden. An ihre Wurzeln legen die Weibchen ihre Eier, der kranke Baum reagiert mit Saftfluß auf die Verletzung, an diesen Käfertränken rangeln die Männchen mit ihren Kieferzangen um die besten Plätze.
Ein solcher sterbender Baumriese im Wald gibt einen Eindruck von der Artenfülle in den ehemaligen Urwäldern Germaniens, bietet vielen weiterer Tierarten Heimat und Nahrung. Künstlich herstellen läßt sich ein solcher Lebensraum nur mit großem Aufwand, mit dicken Stammstücken von Laubholz und Häckselmaterial, das zu einer "Käferpyramide" aufgeschichtet wird.
In ein paar Jahren, wenn sich der Käfermeiler an der Bachstraße ungestört zersetzen kann, hat sich hoffentlich das Kunstwerk aus Holz in viele lebendige Kunstwerke - in Hirschkäfer - verwandelt. Nur wenige Minuten dauerte es allerdings, bis die Skulpturen und der Meiler von den Kindern als Klettergerüst entdeckt wurde. Spielplatz, Lernort und Lebensraum in einem Ding zusammengefasst - Viel Spaß damit!

Geschafft: Die Kunst-Truppe vom Gymnasium Neandertal mit Lehrer Carsten Nummert (links)
Links zum Thema:
Großen Käfer gesehen?
www.agnu-haan.de/hirschkaefer
Wunderschön:
Hirschkäfertheater in London
Gymnasium Neandertal
www.gymneander.de
Private Kindergruppe Haan
www.privatekindergruppe-haan.de/
Die Aktion:
www.geo.de/artenvielfalt