Ha(a)nebüchen!

Schon 2007 formulierte die Stadt Haan ihr 10-Punkte-Klimaschutzprogramm. Im November 2018 wurde es zuletzt aktualisiert. Gespickt mit Formulierungen wie „Empfehlungen“, „könnten“, „möglichst“ macht es denn Eindruck, dass man sich ja nicht zu irgendetwas verpflichten will.
Das hat dann auch dazu geführt, dass nichts Wesentliches passierte, bestenfalls das, was ohnehin gesetzlich vorgeschrieben war. Wenn dann, wie im Gewerbegebiet Höfgen, ganz mutig Grünbedachung vorgeschrieben wurde, wurde im Nachhinein nicht kontrolliert. Und Sie raten es: Kein einzige Grünbedachung wurde realisiert!
Punkt 5 des Konzepts ist ja aktuell interessant. „Die Stadt Haan wird zukünftig im Rahmen ihrer Beschaffung verstärkt auf Klimaschutzgesichtspunkte achten…“ „Bei Sitzungsvorlagen erfolgen grundsätzlich entsprechende Hinweise zu möglichen Klimaschutzgesichtspunkten und deren Bewertung“.
Letzte Woche konnte man lesen, dass die zur Auswahl stehenden Pflastersteine beim Schwimmbad zur Ansicht ausgelegt werden, mit – jawohl – Steinen aus Vietnam. Dieser Transport wird wohl nicht am wenigsten Energie verbrauchen! Hat da keiner die Hinweise gelesen?
Fazit: Hauptsache, auf dem Papier hat man was getan… Fällt ja keinem auf.
Das Umweltbundesamt publiziert seit Jahren den Newsletter „Klimafolgen & Anpassung“. Da findet man zahlreiche Berichte über Klimaanpassungsprojekte, die deutsche Städte erfolgreich umgesetzt haben mit dem Ziel, die Belastungen durch hochsommerliche Extremtemperaturen für den Bürger zu verringern. Schon im Hitzesommer 2003 starben in Europa 70.000 Menschen an der Hitzewelle. Eine der Hauptgründe ist bekanntlich die zunehmende Versiegelung der Städte.
Jetzt steht in Haan ein umfangreicher Umbau der Innenstadt bevor. Im „Integrierten Handlungskonzept Innenstadt“ wird dieses Problem kaum erwähnt. In allen Fachpublikationen zum Thema Hitzeinseln in Städten wird Entsieglung und Begrünung von größeren versiegelten Flächen als eine der wichtigsten Maßnahmen aufgeführt, um die Stadt an den Klimawandel anzupassen. In der Planung der Stadt ist diese Maßnahme für den Neue Markt nicht vorgesehen. Jetzt ist aber die Stadt Haan Eigentümer der allergrößten Flächen des Neue Marktes. Da soll die Stadt doch das gute Vorbild geben und die Fläche großflächig entsiegeln und begrünen!
Auch in den neuen Plänen zum Haaner Bachtal und der Sandbach ist Klimaanpassung ein Fremdwort. Beides sind wichtige sog. Kaltluftschneisen, die kühle Luft ins Zentrum bringen. Aber asphaltieren möchte man!
Die Stadt und auch jeder einzelne Vertreter der Bürger im Haaner Stadtrat sollten sich dieses Thema einmal zu Herzen nehmen. Da haben andere Städte sich einiges mehr für ihre Bürger eingesetzt. Es ist nämlich wirklich ein Notzustand! Ha(a)nebüchen…!
Text: Joop van de Sande


Zum Nach- und Einlesen:
https://www.umweltbundesamt.de/newsletter-klimafolgen-anpassung
http://www.staedtetag.de/publikationen/materialien/088394/index.html
Innenstadtkonzept für Haan
 

2 Gedanken zu “Ha(a)nebüchen!

  1. Am Freitag, den 12. Juli soll wieder eine „Fridays for future“-Demo in Haan stattfinden. Hier können alle Haaner „Flagge“ zeigen und Klimaschutz, Entsiegelung der Flächen, mehr Grün in die Stadt etc. einfordern. Auch am heutigen Dienstag (2. Juli, 17:00 Uhr) befasst sich die letzte Ratssitzung vor der Sommerpause mit dem „Klimanotstand“. Je mehr Menschen aus der Bürgerschaft daran teilnehmen, desto weniger kann der Rat das Thema wegschieben…

Kommentare sind deaktiviert.